Beantwortung der restlichen Fragen der Kurier-Podiumsdiskussion

04. März 2026

Bei der Kurier-Podiumsdiskussion in der Wiesweiherhalle kamen zahlreiche Fragen der Bürgerinnen und Bürger auf, die in der kurzen Zeit nicht beantwortet werden konnten. Zwar hat der Nordbayerische Kurier die Antworten nun veröffentlicht, allerdings deutlich verkürzt. Daher finden Sie hier die vollständigen Antworten von SPD-Bürgermeisterkandidat Peter Kraus:

Frage von Ulrike Hauer, Hainbronn: Welche konkreten Maßnahmen planen Sie in puncto a) Hitzeschutz und b) Wasserrückhalt für Pegnitz und die umliegenden Gemeinden?

In der Tat gibt es in Pegnitz derzeit keinen beschlossenen Hitzeschutzaktionsplan. Jedoch gibt es seit einigen Jahren Bestrebungen, unter anderen durch einen Antrag der Fraktion Grüne/Unanbhängige, einen solchen zu erarbeiten. Allerdings wurde dieser Antrag dergestalt eingebracht, dass der Aktionsplan von der Verwaltung zu erarbeiten sei.

Dies kann aufgrund fehlender fachlicher Expertise und mangelnder zeitlicher Ressourcen aus meiner Sicht nicht von einer eher kleinen Verwaltung wie in Pegnitz geleistet werden. Schließlich wollen wir auch einen fachlich sattelfesten und vor allem auch hoch wirksamen Hitzeschutzaktionsplan für Pegnitz verabschieden. Der Klimaschutzbeirat der Stadt Pegnitz drängt ebenfalls auf die Erstellung eines Aktionsplans und hat hier bereits erste Schritte unternommen.

Die SPD-Fraktion erarbeitet derzeit einen Antrag mit dem Ziel, einen Hitzeschutzaktionsplan durch ein professionelles Projektbüro mit Fördermitteln aus dem Förderprogramm „KommKlimaFöR“ des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit für Pegnitz erstellen zu lassen. Hier ist eine Förderquote von bis zu 70 Prozent, wenn wir als Raum mit besonderem Handlungsbedarf anerkannt werden, sogar von 90 Prozent zu erwarten.

Das Thema Wasserrückhalt in seiner ganzen Ausprägung ist ein eher komplexes Thema, dass sich nur ganzheitlich betrachten lässt, also in Zusammenwirkung von Maßnahmen von Kommune, Bund und Land. Was wir als Kommune tun können, ist weiter am Ausbau von Regenrückhaltebecken, kleinen Teichen oder Mulden auf Feldern und Auen zu arbeiten. Hier gibt es vereinzelt Fördermöglichkeiten über die Ländliche Entwicklung.

Wir müssen vermehrt darauf achten, dass wieder Versickerungsflächen etwa durch Gründächer, versickerbare Pflaster oder verstärkte Regenwassernutzung in Parks und auf Parkplatzflächen genutzt und erstellt werden. Wir können allerdings nur bedingt darauf einwirken, dass auch wichtige Anpassungen in den Landschaftsstrukturen, wie durch Hecken, Grün- oder Wiesenstreifen vorgenommen werden, die den Abfluss bremsen und die Versickerung befördern.

Für viele Maßnahmen, die dem Wasserrückhalt dienen, gibt es neben der ländlichen Entwicklung auch weitere attraktive Fördermöglichkeiten, wie etwa über „FlurNatur“, „KULAP“ oder EU-Projekte wie „KeepWater4Later“. Hier gilt es, am Ball zu bleiben und diese sich bietenden Möglichkeiten bestmöglich auszunutzen.

Frage von Isa Krauß, Pegnitz: Wie soll das Schützenhaus in Troschenreuth finanziert werden? Haben Sie keine Sorgen, dass die Finanzierung die Konsolidierung gefährdet?

Zunächst einmal stehe ich dem Ansinnen des Troschenreuther Zimmerstutzenvereins zur Beantragung von Fördermitteln für den Neubau eines kombinierten Schützen- und Dorfgemeinschaftshauses positiv gegenüber. Eine solche Einrichtung kommt der Dorfgemeinschaft zugute und sorgt dafür, dass verschiedentliche Aktivitäten ohne große Fahrtwege realisiert werden können, auch im Hinblick darauf, dass sich gastronomische Angebote im ländlichen Raum immer weiter zurückziehen.

Daher sehe ich es als kommunale Aufgabe, Mittel und Wege zu finden, wie sich so etwas realisieren lässt, wenn es eine derart hohe Förderung gibt. Sorgen um die Konsolidierung mache ich mir nicht. In fundierter Kommunikation mit den Entscheidern über die Konsolidierung lassen sich solche Maßnahmen mit überschaubaren Kosten für die Stadt auch darlegen.

Frage von Inken Ebenlich, Pegnitz: Wie wird dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich nachgegangen?

Ab dem 1.8.2026 haben neu eingeschulte Kinder der 1. Klasse diesen von ihnen genannten Rechtsanspruch, der bis 1.8.2029 pro Jahr um eine Jahrgangsstufe bis zur vierten Klasse ausgeweitet wird. Diese Ganztagsbetreuung ist im Umfang von acht Stunden an fünf Wochentagen mit maximal 20 Schließungstagen pro Jahr zu gewährleisten. Verantwortlich dafür sind die Kommunen.

Der Freistaat Bayern fördert jeden neu geschaffenen Platz bis 2029 mit dem so genannten „Ganztagesversprechen“ und installiert eine Investitionsrichtlinie mit Pauschalen. Und um fair gegenüber dem jetzigen Bürgermeister und der Verwaltung zu sein, hakt es hier an allen Ecken und Enden. Die Kommunen wissen bisher sehr wenig, wie sie in die Umsetzung gehen sollen. Daher konnten in Pegnitz auch erst grundlegende Gespräche mit etwaigen Trägern geführt werden.

Ich bin jedoch sehr zuversichtlich, dass wir bis zum Stichtag eine tragfähige Lösung zum Wohle unserer Grundschulkinder hinbekommen werden. Allerdings können wir die einschlägigen Probleme wie den Fachkräftemangel und noch immer nicht geklärte Zuständigkeiten nicht von der Hand weisen. Daher fordern die Kommunen zu Recht bessere Kommunikation und deutlich aufgestockte Ressourcen vom Freistaat.

Frage von Dr. Daniela Senger, Pegnitz: Was werden Sie für die medizinische Versorgung in der Stadt Pegnitz tun, um hier Fachärzte anzusiedeln?

Wir sind zwar, was die medizinische Versorgung angeht, in Pegnitz derzeit ganz gut aufgestellt, allerdings wird niemand aktuell eine kompetente Zukunftsprognose in diesem Bereich wagen. Unsere Handlungsmöglichkeiten sind auch einigermaßen limitiert. Wir sind nur schwerlich bis gar nicht in der Lage, attraktive Zuschüsse für Praxisgründungen oder Niederlassungsprämien zu leisten. Zudem sind wir in diesem Bereich immer abhängig von der KV und deren Zulassungsausschüssen.

Für mein Dafürhalten sind die so genannten Planungsgebiete der KV falsch zusammengestellt, geben so nicht die Lebenswirklichkeit der Menschen wieder und bilden die realen Bedarfe schlicht falsch ab. Deshalb müssen wir als Kommune dafür sorgen, dass die so genannten „Soft Skills“ passen, also dass zum Beispiel genügend attraktiver Wohnraum, Freizeitangebote und schulische Möglichkeiten vorhanden sind, die es für Ärzte attraktiv machen, sich in Pegnitz anzusiedeln.

Frage von Dr. Daniela Senger, Pegnitz: Wie werden Sie die Zusammenarbeit mit den christlichen Gemeinden gestalten?

Die Zusammenarbeit mit den christlichen Gemeinden liegt mir persönlich sehr am Herzen. Ich bin selbst christlich erzogen worden und habe bereits als Kind und Jugendlicher in Nürnberg vielfältig von den Angeboten der kirchlichen Jugendarbeit profitieren dürfen. Diese Erfahrungen haben mich geprägt – sie haben mir Werte vermittelt wie Verantwortung, Zusammenhalt, Nächstenliebe und soziales Engagement. Ein besonderer Abschnitt dieser Zeit war mein Engagement auf der Burg Feuerstein, einer katholischen Bildungs- und Weiterbildungsstätte hier in der Region. Dort habe ich den Jugendleiterkurs absolviert, der mich befähigt hat, Kinder und Jugendliche verantwortungsvoll zu begleiten, auszubilden und in der christlichen Kinder- und Jugendarbeit aktiv mitzuwirken – auf der Grundlage der Leitlinien der katholischen Kirche.

Diese persönlichen Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wertvoll die Arbeit der christlichen Gemeinden für unsere Gesellschaft ist – gerade für junge Menschen, für Familien und für den sozialen Zusammenhalt vor Ort.

Die Vielschichtigkeit der christlichen Gemeinden in Pegnitz ist mir sehr bewusst und vertraut – auch, weil ich mit meiner Frau, die evangelisch-methodistisch geprägt ist, diese Vielfalt ganz persönlich lebe. Gerade deshalb ist es mir wichtig, auf die unterschiedlichen Traditionen, Bedürfnisse und Stärken der Gemeinden einzugehen und sie verbindend zusammenzuführen.

Mir ist es deshalb ein wichtiges Anliegen, die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den katholischen und evangelischen Gemeinden in Pegnitz aktiv zu pflegen und weiter auszubauen. Die Kirchen sind wichtige Partner – in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Seniorenarbeit, in sozialen Fragen, in der Integration und im kulturellen Leben unserer Stadt.

Mein Ziel ist ein offener, regelmäßiger Dialog auf Augenhöhe: mit gegenseitigem Respekt, mit Wertschätzung für das Engagement der vielen Ehrenamtlichen und mit dem gemeinsamen Anspruch, unsere Stadt menschlich, solidarisch und lebenswert zu gestalten.

Ich möchte die Gemeinden dort unterstützen, wo sie Unterstützung brauchen, und gleichzeitig Räume für gemeinsame Projekte schaffen – für Begegnung, Bildung, soziales Engagement und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Denn ich bin überzeugt: Eine starke Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen füreinander da sind – und die christlichen Gemeinden leisten hierzu einen unverzichtbaren Beitrag.

Mehrfach kam die Frage, unter anderem von Maximilian Klinger, Rosenhof: Wie wollen Sie die Innenstadt wiederbeleben?

Die Innenstadt bekommt Richtung und Ziel. Wir entwickeln ein sorgfältig ausgewähltes Innenstadt-Quartier aus kleinen Läden und Handwerksbetrieben: Das PegnitzWerk. Herzstück ist ein Regio-Kaufhaus für Selbstvermarkter mit regionalen Produkten, verteilt auf mehrere Gebäude&Läden. Vorhandenes trifft auf temporäre Pop-ups von Kleinstbetrieben. Handwerk mit Alleinstellungsmerkmal, gemeinsames Branding und Events schaffen Frequenz und machen es zum Ziel statt Durchgangsort. Grundlage ist eine Bedarfsanalyse mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Zusätzlich möchte ich als kulturellen Anker: Das BrauWerk Pegnitz als Projekt umsetzen. „Aus einer alten Brauerei wird ein Ort für Begegnung, Kultur und regionale Wertschöpfung.“ - Die alte Brauerei als Zukunftsort.

Bier, Gin und Geschichte – regional verankert.

Inhalt:
• Fränkisches Brauerei-Museum (Oberfranken als Bierregion Nr. 1)
• Craft-Brauerei mit kleinen Suden
• Gin-Destillerie / regionale Destillate
(Perspektive: Pegnitz Gin – „Gin mit Sinn“)

Nutzen:
• Touristische Attraktivität
• Regionale Markenbildung
• Zusätzliche Wertschöpfung

Zusammen mit der neu gestalteten Innenstadt ergibt sich folgendes Merkmal:

[ Alltagsstadt ]
Wohnen – Bäcker – Läden

[ PEGNITZWERK ]
Handwerk – Regio-Kaufhaus – Pop-ups

[ BRAUWERK PEGNITZ ]
Kultur – Bier – Gin – Geschichte

Warum das zusammengehört - Tag und Abend – Alltag und Erlebnis

• Das PegnitzWerk belebt die Innenstadt tagsüber
• Das BrauWerk sorgt für Leben abends und am Wochenende
• Kultur, Handel und Gastronomie stärken sich gegenseitig
• Klare Wegeführung & Zielpunkte

Kernaussage:
👉 Die Innenstadt bekommt Richtung und Ziel.

Frage von Henry Groß, Troschenreuth: Wo ist die bürgernahe Politik geblieben?

Ich finde, bürgernäher als in der Kommune kann Politik kaum sein. Denn hier sitzen ehrenamtliche Stadträte, die ihre Entscheidungen größtenteils nicht zum Selbstzweck, sondern zum Wohle unserer Stadt treffen. Daher finde ich nicht, dass es in Pegnitz keine bürgernahe Politik gäbe. In den 26 Jahren, die ich nun schon in dieser schönen Stadt lebe, habe ich stets eine offene Kommunikation von allen Seiten erlebt.

Frage von Sebastian Gubitz, Pegnitz: explizit an Herrn Krieg, die anderen können auch was dazu schreiben: Zu „Bavaria Ruft!“, einer Veranstaltung NUR für Frauen, um deren Präsenz zu stärken: Trauen Sie den Frauen in Ihren Reihen nicht zu, ihre „Frau“ zu stehen?

Wer sich als Mann in ein ausdrücklich für Frauen konzipiertes Format drängt, zeigt vor allem eines: mangelnden Respekt vor klaren Spielregeln und vor dem Zweck dieser Veranstaltung. „Bavaria Ruft!“ sollte Frauen eine eigene Bühne geben – Raum für Austausch, Sichtbarkeit und Vernetzung. Wer meint, diese Grenze ignorieren zu können, weil sie ihm persönlich nicht passt, stellt nicht das Format in Frage, sondern sich selbst.

Dass der betreffende Kandidat erst nach Aufforderung gegangen ist, macht die Sache nicht besser, sondern deutlich. Führungspersönlichkeit zeigt sich darin, Regeln zu respektieren und Räume anderer anzuerkennen – nicht darin, sich darüber hinwegzusetzen. Genau dieses Verhalten führt letztlich vor Augen, warum solche geschützten Formate nach wie vor notwendig sind.

Umso unverständlicher ist es, dass bis heute keine öffentliche Entschuldigung für dieses Fehlverhalten erfolgt ist. Wer Verantwortung übernehmen will, sollte auch die Größe haben, eigenes Fehlverhalten einzugestehen. Das wäre ein Zeichen von Respekt – gegenüber den beteiligten Frauen und gegenüber der politischen Kultur insgesamt.

Frage von Walter Kurz, Kettengasse: Warum ist Frau Dr. Sandra Huber auf einer öffentlichen Plakatwand?

In der von Ihnen im Stadtrat mitbeschlossenen Verordnung über das Anbringen von Anschlägen und Plakaten im Rahmen von Wahlen vom 7.11.2025 steht in §2 Satz zwei geschrieben: „Insbesondere ortsfeste Anlagen der Wirtschaftswerbung (Werbeanlagen) im Sinn von Art. 2 Abs. 1 Satz 2 BayBO fallen somit nicht unter den Regelungsbereich dieser Verordnung.“ Somit ist es Frau Huber und allen anderen politischen Akteuren gestattet und unbenommen, auf kommerziellen Anlagen zu werben. Das sollten sie allerdings als Stadtrat wissen, oder?

Frage von Th. Knauber, Pegnitz: Wie schaffen Sie billige Wohnungen für arme Leute?

In der heutigen Zeit wird es für Kommunen immer schwerer, sozialen Wohnungsbau in relevanter Größenordnung zu realisieren. Dennoch gibt es bereits jetzt schon Initiativen, in Partnerschaft mit der Bayern Heim GmbH als Unternehmen des Freistaats Bayern, bezahlbaren Wohnraum in Pegnitz bereitzustellen. Ohne eine solche Partnerschaft ist es für Pegnitz unmöglich, selbst als Bauherr aufzutreten. Daher werde auch ich Bestrebungen weiter forcieren, in dieser Kooperation in Pegnitz günstigen Wohnraum bereitstellen zu können.

Zudem gibt es Wohnungsbauträger, meist genossenschaftlich organisiert, deren Zweck es ist, sozialen Wohnraum zu schaffen. Diese Kontakte gilt es weiter zu knüpfen und Möglichkeiten für Pegnitz zu finden.

Frage von Insa Methfessel, Pegnitz: Verkauf städtischer Wohnungen Blumenstraße: Muss das wirklich sein?

Aus meiner Sicht erst einmal nein. Nur alleine aus dem Zweck, Geld zu generieren, halte ich die Bestrebungen für den Verkauf für falsch. Oberstes Ziel muss es sein, die beste Lösung für die Bewohner der Blumenstraße und nicht für die Stadt Pegnitz zu finden, denn wir reden hier immer noch über Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen und Problemen.

Ich verschließe mich jedoch auch nicht in Gänze einer Möglichkeit, die Gebäude in enger Partnerschaft mit einer genossenschaftlichen Wohnungsbaugesellschaft zu führen, sollte sich herausstellen, dass wir als Stadt Pegnitz alleine der schlechtere Partner für die Bewohner wären. Denn nur um diese geht es.

Es ist auch jetzt schon ausgeschlossen, dass die Gebäude der Blumenstraße an eine der zahlreichen Heuschrecken auf dem Markt der Wohnungsgesellschaften verkauft werden würden. So fair gegenüber den derzeit handelnden Akteuren in der Stadt muss man auch sein. Wenn wir als Stadt einen für alle gangbaren und bezahlbaren Weg finden, wie wir die Gebäude weiterhin zu einem fairen Mietpreis betreiben, sanieren und ausbauen können, werde ich alles dafür tun, die Gebäude der Blumenstraße in städtischem Besitz zu belassen.

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